Nachhaltig wirtschaften

„Ökologie, Ökonomie und soziale Nachhaltigkeit gehen zusammen, das ist unsere Überzeugung als Grüne“, betonte Valentin Gauß, Gemeinderatskandidat der Fellbacher Grünen, zu Beginn der Podiumsdiskussion mit Vertretern der Fellbacher Wirtschaft, Andrea Lindlohr, der wirtschaftspolitischen Sprecherin der Grünen-Fraktion im baden-württembergischen Landtag, und Grünen-Gemeinderatskandidatin Nadine Gothe.

Andrea Lindlohr stellte den Klimawandel in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen. „Der Klimawandel ist eine starke globale Rahmenbedingung, die unser künftiges Wirtschaften beeinflusst, auch in Fellbach“. Davon werde auch die Automobilwirtschaft stark beeinflusst werden, „denn in absehbarer Zukunft muss die Mobilität klimaneutral gestaltet werden“, betonte die Politikerin. „Wir müssen erreichen, dass es bei uns zu einer Kreislaufwirtschaft kommt.“ Dafür müsse aber der Staat die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen.

Für Lindlohr steht außer Frage, dass das Wirtschaftswachstum vom Ressourcenverbrauch abgekoppelt werden muss. In diesem Zusammenhang verwies sie auf ultraeffiziente Verfahren, die Ressourcen und Energie sparen und die für mittlere und kleine Unternehmen sofort zugänglich sind. Ohne drastische Maßnahmen aber, daran ließ Lindlohr keinen Zweifel, werde die Verkehrs- und Energiewende aber nicht gelingen. Sie sprach sich für die Einführung eines Preises für CO2 aus, wie das bereits Schweden und die Schweiz gemacht haben, „denn die CO2-Zertifikate, die wir haben, reichen nicht aus. Wir brauchen einen CO2-Preis, um Mobilität und Wärme steuern zu können. Nur das führt zu Änderungen, die ökologisch was bringen.“ Dies müsse allerdings mit Ausgleichzahlungen für einkommensschwache Haushalte gekoppelt werden, um diese durch die höheren Energiepreise nicht zu benachteiligen.

Einzelhandel braucht attraktivere Innenstadt

AMF-Geschäftsführer Johannes Maier gab sich angesichts dieser Aussichten gelassen, sein Unternehmen habe im Verlaufe des fast 130-jährigen Bestehens schon so manche Transformation durchlebt. „Wir haben uns sehr gut aufgestellt, ich hoffe, es ist nicht die letzte Veränderung, die für uns ansteht. Bei AMF ist die Industrie 4.0 bereits Wirklichkeit, zum Beispiel die Funktechnik in den Spannelementen.“ Allerdings, so betonte er, sei es eine „Herausforderung, mit der ganzen Belegschaft so eine Veränderung zu machen.“ Mit Blick auf die gängige Produktion-on-demand-Praxis der Unternehmen meinte Nadine Gothe: „Die Firmen müssen darüber nachdenken, ob es ökologisch sinnvoll ist, wie sie im Moment produzieren.“ Die Transportkosten und die Löhne in der Logistikbranche seien aber viel zu niedrig, so die Grünen-Kandidatin, um da zu einem Umdenken und nachhaltigeren Wirtschaften zu führen.

Einen anderen Aspekt sprach Hafez Syed Gulam an. Der Inhaber der Firma Öko Service Fußbodentechnik in Fellbach beklagte das Verbraucherverhalten. Er macht zunehmend die Erfahrung – wie viele andere Gewerbetreibende und Einzelhändler auch – dass die Kunden ins Geschäft kommen, sich ausführlich beraten lassen „und dann kaufen sie im Internet“. Um den Fellbacher Einzelhandel zu stärken, ist es für die Grünen wichtig, dass die Stadt attraktiver wird, wie Valentin Gauß, der Moderator der Podiumsdiskussion, anmerkte. Verkehrsberuhigte Straßen in der Innenstadt und hochwertige Verkaufssortimente mit regionalen Waren seien hier wichtige Bausteine.

Grüne setzen sich für Stärkung der Fellbacher Wirtschaft ein

Sowohl Gauß als auch Gothe betonten, die Fellbacher Grünen seien ein Partner für die Wirtschaft, „wir streben eine Zusammenarbeit mit Handel und Gewerbe an und wir setzen uns für den Ausbau eines leistungsfähigen Internets ein, das die Fellbacher Industrie dringend braucht.“ Ebenso dringend wie Fachkräfte, „für die wir dann aber auch Wohnungen und einen besser vernetzten Öffentlichen Nahverkehr benötigen“. Für beides setzen sich die Grünen ein, die Stärkung der heimischen Wirtschaft ist ein wichtiger Punkt im Wahlprogramm zur Gemeinderatswahl. Nadine Gothe traf mit ihrer Anmerkung, man müsse auch in Fellbach mehr Anreize für nachhaltiges Wirtschaften schaffen, bei Johannes Maier auf offene Ohren. Er kann sich vorstellen, ein Punktesystem für Unternehmen einführen, mit dem nachhaltiges Wirtschaften belohnt wird. Auf die Frage, wie das denn konkret umgesetzt werden sollte, hatte der Vorsitzende der Fellbacher Industrievereinigung auch bereits einen Vorschlag parat. „Die Stadt könnte ja für nachhaltig wirtschaftende Betriebe die Gewerbesteuer weniger stark anheben wie für andere.“

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